Hilter bekommt H-Gas

Neue Osnabrücker Zeitung vom 02.12.2015

Ein Artikel von Regine Bruns:

Westnetz stellt 2017 das Erdgasnetz um

 

Ab April 2017 wird Westnetz die Erdgasversorgung in Hilter am Teutoburger Wald von L-Gas auf H-Gas umstellen. Das bedeutet für die Kunden des Energieversorgers, dass alle Gasgeräte in den betreffenden Haushalten rechtzeitig an die neue Gasart angepasst werden müssen. Der Wechsel ist notwendig, weil die L-Gas-Vorkommen in Deutschland und den Niederlanden zur Neige gehen.

„Den Unterschied zwischen L-Gas und H-Gas kann man sich vorstellen wie den zwischen Normal- und Super-Benzin“, erklärte Westnetz-Projektleiter Frank Behrendt. Das H-Gas habe einen höheren Brennwert als das L-Gas. Wenn man es in das Erdgasnetz einspeise, bedeute das, dass die Flammen in Gasherden oder Thermen heißer werden, was zu technischen Problemen führen könne. „Deshalb müssen alle Gasgeräte rechtzeitig erfasst und mit neuen Düsen oder Brennern ausgestattet werden.“

Erste Gemeinde

Hilter ist die erste Gemeinde, in der Westnetz den Umstieg durchführen will. Deshalb beginnt der Energieversorger jetzt mit einer umfangreichen Informationskampagne zu der Online-Informationen, eine Hotline, Flyer und die Einrichtung eines Gas-Büros gegenüber vom Hilteraner Rathaus zählen werden. Ab Mitte Februar 2016 werden Monteure von Westnetz-zertifizierten Partnerfirmen alle Haushalte und Gewerbebetriebe in Hilter besuchen, um alle Gasgeräte zu erfassen und rechtzeitig die notwendigen Ersatzteile zu beschaffen. „Es gibt mehr als 16000 verschiedene Geräte, die alle auf das H-Gas vorbereitet werden müssen“, erläuterte Eckhard Stumpe, Netzbetriebsleiter bei Westnetz für die Region Osnabrück. Um die entsprechenden Ersatzteile zu besorgen, werde man einige Zeit brauchen, zumal auch andere Energieversorger derzeit an der Umstellung arbeiten. „Insgesamt müssen bis 2030 etwa fünf Millionen Gasgeräte umgebaut werden“, rechnete er vor.

 

Stichtag 4. April 2017

Ab Januar 2017 werden die Monteure die betreffenden Haushalte dann erneut aufsuchen, um Düsen, Brenner und andere Bauteile auszutauschen. Anschließend führen sie eine CO2-Messung durch, um zu prüfen, ob die Anpassung erfolgreich war. Zum Stichtag 4. April 2017 wird dann das H-Gas ins Hilteraner Erdgasnetz eingespeist.

 

Neues Gas nicht teurer

„Das neue Gas ist nicht teurer als das alte“, versicherte Behrendt, denn Gas werde immer nach der „Energiemenge“ abgerechnet. Das Gas selbst sei entsprechend des höheren Energiegehalts zwar teurer, dafür verbrauche der Kunde davon weniger, sodass sich in der Summe nichts an den Kosten für die Erdgasversorgung ändern werde.

Individuelle Lösungen

Auch die technische Umstellung der Gasgeräte übernimmt Westnetz für seine Kunden. Allein in Fällen, in denen ein Komplettaustausch alter Heizungsanlagen unumgänglich sei, können den Bürgern gegebenenfalls Kosten entstehen, so Stumpe. „Dann werden wir individuelle Lösungen finden.“

Das neue H-Gas kommt aus Norwegen und Russland. Das L-Gas bezog die Region Osnabrück bislang vor allem aus dem Groninger Feld in den Niederlanden, das einst das größte Gasfeld in Westeuropa war. Erdbeben in der Region und Messungen beweisen, dass diese Energiequelle in naher Zukunft versiegen werde, so Experte Behrendt.

 

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